Zaduszki und Allerheiligen — Traditionen, Bräuche und Bedeutung in der polnischen Kultur

Grablichter auf einem polnischen Friedhof an Allerheiligen — Traditionen der Zaduszki in Polen

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wir verstehen, dass die Erinnerung an Menschen, die von uns gegangen sind, tiefe Emotionen weckt — besonders in der Zeit der Novemberfeiertage, wenn ganz Polen an jene denkt, die nicht mehr unter uns weilen. Ob Sie seit Ihrer Kindheit jedes Jahr den Friedhof besuchen oder diese Traditionen nach einem kürzlichen Verlust erst kennenlernen — dieser Artikel hilft Ihnen, die Bedeutung und Geschichte der beiden wichtigsten Gedenktage im polnischen Kalender zu verstehen.

Die Traditionen rund um Zaduszki (Allerseelen) haben in Polen außergewöhnlich tiefe Wurzeln — sie reichen bis in vorchristliche Zeiten zurück, und ihre heutige Form verbindet den katholischen Glauben, volkstümliche Bräuche und familiäres Gedenken auf eine Weise, die in keinem anderen europäischen Land so ausgeprägt ist. Jedes Jahr, Anfang November, verwandeln sich polnische Friedhöfe in Meere flackernder Grablichter (znicze), und die Kirchen füllen sich mit Gläubigen, die für die Seelen der Verstorbenen beten.

In diesem Artikel erklären wir, worin sich Allerheiligen (Wszystkich Świętych, 1. November) von Allerseelen (Zaduszki, 2. November) unterscheidet, welche Traditionen diese Tage begleiten, was Wypominki (Totengebetslesung) sind, woher diese Bräuche stammen und wie die Menschen in Polen heute das Andenken an ihre Angehörigen pflegen — auch mit digitalen Formen des Gedenkens. Neben dem traditionellen Grablicht auf dem Friedhof erstellen immer mehr Familien digitale Gedenkseiten, die es ermöglichen, sich das ganze Jahr über an Verstorbene zu erinnern, unabhängig von der Entfernung.

Dieser Artikel richtet sich an alle, die die polnischen Novembertraditionen besser verstehen möchten — sowohl an gläubige Personen als auch an jene, die nach weltlichen Formen suchen, das Andenken an Verstorbene auszudrücken.

Allerheiligen (1. XI) und Allerseelen (2. XI) — worin liegt der Unterschied?

Allerheiligen (Wszystkich Świętych, 1. November) ist ein kirchliches Fest zu Ehren aller Heiligen — ein gesetzlicher Feiertag in Polen. Allerseelen (Zaduszki bzw. Dzień Zaduszny, 2. November) ist ein Tag des Gebets für die Seelen der Verstorbenen im Fegefeuer. Obwohl sie unterschiedliche liturgische Bedeutungen haben, verbinden sich in der polnischen Tradition beide Tage zu einer gemeinsamen Zeit des Gräberbesuchs und Gedenkens.

Allerheiligen — das kirchliche Fest

Der 1. November ist einer der wichtigsten Feiertage im Kalender der katholischen Kirche in Polen. Allerheiligen (Uroczystość Wszystkich Świętych) wurde eingeführt, um das Andenken aller Heiligen zu ehren — sowohl der kanonisierten als auch der unbekannten, die das Heil erlangt haben. An diesem Tag werden feierliche Messen in den Kirchen gehalten, und die Gläubigen versammeln sich auf den Friedhöfen, um Grablichter (znicze) anzuzünden und Blumen auf die Gräber ihrer Angehörigen zu legen.

Seit 1951 ist Allerheiligen in Polen ein gesetzlicher Feiertag. Das bedeutet, dass die meisten Polinnen und Polen die Möglichkeit haben, den Friedhof zu besuchen — nicht selten reisen sie dafür in ihre Heimatorte, um an den Gräbern von Großeltern, Eltern oder anderen nahestehenden Personen innezuhalten.

Merkmal Allerheiligen (1. XI) Allerseelen (2. XI)
Charakter Kirchliches Fest (liturgisch) Liturgisches Gedenken
Gesetzlicher Feiertag Ja (gesetzlich) Nein
Zweck Ehrung aller Heiligen Gebet für die Seelen der Verstorbenen
Polnische Tradition Friedhofsbesuch, Grablichter, Blumen Wypominki, Gebet für Verstorbene
Messpflicht Ja (gebotener Feiertag) Nein (empfohlen)

Allerseelen — Zaduszki, das Gebet für die Verstorbenen

Der 2. November, Allerseelen (Dzień Zaduszny, lat. Commemoratio Omnium Fidelium Defunctorum), ist dem Gebet für die Seelen der gläubigen Verstorbenen gewidmet, die sich — gemäß der katholischen Lehre — im Fegefeuer befinden. Im Unterschied zum festlichen Charakter von Allerheiligen haben die Zaduszki einen besinnlichen und bußfertigen Ton. An diesem Tag werden in den Kirchen besondere Gottesdienste für die Verstorbenen gehalten, und Priester dürfen ausnahmsweise bis zu drei Messen lesen — eine Abweichung von der üblichen Regel einer Messe pro Tag.

Die Tradition des Allerseelentages wurde 998 von Abt Odilo von Cluny formal eingeführt und verbreitete sich im 13.–14. Jahrhundert in der gesamten westlichen Kirche. In Polen fasste sie schnell Fuß und hat bis heute tiefe Bedeutung.

Warum beide Feiertage in Polen zusammengehören

In der polnischen Praxis bilden der 1. und 2. November eine untrennbare Einheit. Die meisten Familien besuchen die Friedhöfe bereits am 1. November (da dieser Tag arbeitsfrei ist), und die Gebete für die Verstorbenen werden am 2. November fortgesetzt. Viele Polinnen und Polen unterscheiden im Alltag nicht zwischen beiden Feiertagen und verwenden die Bezeichnungen „Wszystkich Świętych" (Allerheiligen) und „Zaduszki" (Allerseelen) austauschbar. Dieses kulturelle Verschmelzen zweier eigenständiger liturgischer Feiern ist ein typisch polnisches Phänomen — in vielen westeuropäischen Ländern hat der 2. November bei Weitem nicht eine so starke Tradition wie in Polen.

Polnische Novemberbräuche — was man auf dem Friedhof tut

Die wichtigsten Bräuche am 1. und 2. November in Polen sind der Besuch der Familiengräber, das Anzünden von Grablichtern (znicze), das Niederlegen von Blumen (insbesondere Chrysanthemen), das Reinigen und Schmücken der Grabstätten sowie das gemeinsame Gebet für die Verstorbenen. Diese Bräuche verbinden den religiösen Aspekt mit einem tief verwurzelten Gefühl familiärer Verbundenheit und gemeinschaftlichen Gedenkens.

Grablichter anzünden — die Symbolik des Lichts

Das Grablicht (znicz, vom lat. ignis — Feuer) ist das bekannteste Symbol der polnischen Novembertradition. Das Entzünden eines Grablichts auf dem Grab eines nahestehenden Menschen symbolisiert Erinnerung, Gebet und Hoffnung auf das ewige Leben. In der christlichen Theologie steht das Licht des Grablichts für Christus als „Licht der Welt" und die Bitte um „ewige Ruhe" für die Seele des Verstorbenen.

Polen gehört zu den größten Verbrauchern von Grablichtern in Europa. Man schätzt, dass die Polinnen und Polen jedes Jahr in der Zeit um Allerheiligen über 200 Millionen Grablichter anzünden. Die Friedhöfe bieten nach Einbruch der Dunkelheit einen außergewöhnlichen Anblick — Tausende flackernder Flammen bilden ein Meer aus warmem Licht, das zu einem der ikonischsten Bilder der polnischen Kultur geworden ist.

Wissenswertes über Grablichter:

  • Grablichter aus Wachs brennen länger als solche aus Paraffin und sind umweltfreundlicher
  • Die Größe des Grablichts sagt nichts über die Stärke der Gefühle aus — auch ein kleines Grablicht ist Ausdruck des Gedenkens
  • Immer mehr Friedhöfe empfehlen biologisch abbaubare Grablichter
  • LED-Grablichter sind eine Alternative dort, wo offenes Feuer verboten ist

Chrysanthemen — warum gerade diese Blume

Die Chrysantheme ist untrennbar mit der polnischen Allerheiligentradition verbunden. Ihr Name stammt von den griechischen Wörtern chrysos (Gold) und anthemon (Blüte). Sie blüht im November, wenn die meisten Pflanzen bereits verblüht sind — was ihr eine symbolische Bedeutung verleiht: beständige Erinnerung, die selbst in der Zeit des Vergehens der Natur nicht erlischt.

In der europäischen Kultur ist die Chrysantheme seit dem 19. Jahrhundert mit Trauer und Totengedenken verbunden. In Polen ist die Tradition, Chrysanthemen auf Gräber zu legen, so stark, dass die Blume fast ausschließlich mit dem Friedhof assoziiert wird — im Gegensatz zu asiatischen Ländern, wo die Chrysantheme Freude und Langlebigkeit symbolisiert.

Welche Blumen werden auf Gräber gelegt:

Blume Symbolik Beliebtheit am 1. XI
Chrysantheme Erinnerung, Respekt, Ewigkeit Sehr hoch
Heidekraut Einsamkeit, Erinnerung Hoch
Erica (Heide) Beständigkeit des Gedenkens Mittel
Rose Liebe, Sehnsucht Mittel
Gerbera Freude am Leben des Verstorbenen Gering

Reinigung und Schmücken der Gräber

Die Vorbereitung des Grabes vor dem 1. November ist für viele polnische Familien ein wichtiges Ritual. Bereits in den letzten Oktobertagen pulsieren die Friedhöfe vor Leben — Familien reinigen die Grabsteine (nagrobki), harken Laub, pflanzen neue Gewächse und bereiten den Platz für Grablichter und Blumen vor. Dieses gemeinsame Tun hat nicht nur eine praktische, sondern auch eine emotionale Dimension — die Pflege des Grabes ist Ausdruck der Fürsorge für das Andenken und die Würde des Verstorbenen.

Was man auf den Friedhof mitnehmen sollte:

  • Reinigungsmittel für den Grabstein (Wasser, weiches Tuch, mildes Steinpflegemittel)
  • Grablichter (aus Wachs oder LED)
  • Blumen (Chrysanthemen, Heidekraut, Gebinde)
  • Streichhölzer oder Feuerzeug
  • Müllbeutel (für alte Grablichter und verwelkte Blumen)
  • Kleiner Rechen für Laub (falls das Grab von Grün umgeben ist)

Gemeinsames Gebet auf dem Friedhof

Das Gebet auf dem Friedhof an Allerheiligen und Allerseelen hat sowohl einen privaten als auch einen gemeinschaftlichen Charakter. Viele Pfarrgemeinden organisieren Prozessionen zum Friedhof in Verbindung mit einem Gottesdienst. Die Gläubigen sprechen Gebete für die Verstorbenen — am häufigsten „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe" (polnisch: „Wieczny odpoczynek racz im dać, Panie") sowie den Rosenkranz. Die katholische Kirche lehrt, dass man in den Tagen vom 1. bis 8. November unter bestimmten Bedingungen einen vollkommenen Ablass für die Seele eines Verstorbenen erlangen kann (u. a. Friedhofsbesuch, Gebet in der Meinung des Papstes, Beichte und Kommunionempfang).

Es ist wichtig zu beachten, dass die Tradition des Friedhofsbesuchs sich nicht auf gläubige Menschen beschränkt. Für viele Polinnen und Polen, unabhängig von Bekenntnis oder Weltanschauung, ist dies vor allem eine Zeit des familiären Gedenkens und der Reflexion über das Leben derer, die von uns gegangen sind. Weltliche Bestattungen (pogrzeb świecki) und säkulare Formen des Gedenkens werden in Polen zunehmend akzeptiert und verbreitet.

Wypominki — das betende Gedenken an die Verstorbenen

Wypominki sind eine katholische Tradition, bei der der Priester die Namen der Verstorbenen während des Gottesdienstes vorliest und die Gläubigen gemeinsam für deren Seelen beten. Familien schreiben die Namen auf spezielle Zettel und geben sie im Pfarrbüro (kancelaria parafialna) ab. Wypominki sind eines der wichtigsten Elemente der polnischen Allerseelentradition und dauern den gesamten November über an.

Wie man Wypominki in der Pfarrei anmeldet

Das Bestellen von Wypominki ist einfach, obwohl es von Pfarrei zu Pfarrei leicht variieren kann:

  1. Zettel vorbereiten — auf den Zettel schreibt man die Namen der Verstorbenen (Vor- und Nachname), für deren Seele die Familie beten möchte
  2. Besuch im Pfarrbüro — den Zettel gibt man im Pfarrbüro ab, in der Regel von Mitte Oktober bis Ende November
  3. Freiwillige Spende — traditionell legt man dem Zettel eine freiwillige Spende bei (ein Beitrag zum Unterhalt der Pfarrei). Die Höhe ist nicht festgelegt — es ist ein Ausdruck der Dankbarkeit für das Gebet, keine „Gebühr"
  4. Verlesung — der Priester verliest die Namen während eines besonderen Gottesdienstes, meist an den Novembersonntagen oder am Allerseelentag (2. XI)

Einmalige und jährliche Wypominki

In polnischen Pfarreien unterscheidet man zwei Arten von Wypominki:

  • Einmalige (monatliche) Wypominki — die Namen werden im November während der Allerseelengottesdienste verlesen. Das ist die beliebteste Form, die von den meisten Familien genutzt wird.
  • Jährliche Wypominki — die Namen werden das ganze Jahr über verlesen, in der Regel einmal im Monat während der Sonntagsmesse. Diese Form gewährleistet ein regelmäßiges betendes Gedenken an den Verstorbenen.

Die Geschichte der Wypominki — eine Tradition aus dem Mittelalter

Die Tradition des Gebets für die Verstorbenen und der Verlesung ihrer Namen reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Bereits im 10. Jahrhundert führten Benediktinerklöster „Libri memoriales" (Erinnerungsbücher), in denen die Namen verstorbener Stifter und Wohltäter verzeichnet und während der Liturgie verlesen wurden. In Polen verbreitete sich der Brauch der Wypominki mit der Christianisierung und ist bis heute eine lebendige Tradition — eine der wenigen, die sowohl die Zeit der Teilungen Polens als auch die Ära der Volksrepublik (PRL) überdauert hat.

Die Wurzeln der Tradition — von den heidnischen Dziady zu christlichen Bräuchen

Die polnischen Traditionen des Totengedenkens reichen zurück bis zu den vorchristlichen Dziady (wörtlich: „Ahnen") — einem slawischen Ritual des Totenmahls am Grab des Vorfahren. Nach der Christianisierung Polens im Jahr 966 verschwand diese Tradition nicht, sondern verschmolz mit den katholischen Feierlichkeiten des Allerseelentages und schuf einen einzigartigen polnischen Brauch, der christlichen Glauben mit dem Gedenken an die Vorfahren verbindet.

Dziady — der slawische Ahnenkult

„Dziady" bezeichnet sowohl die Geister der Vorfahren als auch die zu ihren Ehren praktizierten Rituale, die von den Slawen vor der Christianisierung gepflegt wurden. Der Brauch bestand darin, ein Mahl am Grab oder im Haus vorzubereiten, bei dem Speisen und Getränke für die Geister der Verstorbenen bereitgestellt wurden. Man glaubte, dass an bestimmten Tagen des Jahres die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verschwimmt und die Geister der Vorfahren ihre Nachkommen besuchen.

Adam Mickiewicz verewigte diese Bräuche in seinem Poem „Dziady" (1823), in dem er das Ritual der Geisterbeschwörung und -speisung in der Allerseelennacht beschreibt. Obwohl das Werk ein literarisches Meisterwerk ist, basiert es auf authentischen Volkstraditionen aus dem Wilnaer Gebiet und dem Polesien.

Vom Heidentum zum Christentum

Nach der Taufe Mieszkos I. im Jahr 966 bekämpfte die katholische Kirche in Polen die Tradition der Dziady nicht direkt, sondern ersetzte sie schrittweise durch christliche Entsprechungen. Das heidnische Totenmahl am Grab wandelte sich zum Gebet für die Seelen der Verstorbenen, und der Glaube an den Besuch der Ahnengeister wurde zur katholischen Lehre vom Fegefeuer und der Möglichkeit, den Seelen der Verstorbenen durch Gebete beizustehen.

Dieser Prozess der Akkulturation dauerte Jahrhunderte und brachte eine einzigartige polnische Tradition hervor, in der christliche und vorchristliche Elemente bis heute nebeneinander bestehen. Das Anzünden von Grablichtern (Licht für die Geister), das Niederlegen von Blumen (Gaben für die Toten) und das gemeinsame Besuchen der Friedhöfe (ein Gemeinschaftsritual) — all das hat seine Wurzeln sowohl in den heidnischen Dziady als auch in der christlichen Liturgie für die Verstorbenen.

Regionale Traditionen

Die polnische Novembertradition hat auch ihre regionalen Ausprägungen:

  • Kaschubei (Kaszuby) — „Chłopski Zaduszek" (Bäuerlicher Allerseelentag) mit dem Aufstellen von Speisen auf dem Tisch für die Seelen der Verstorbenen
  • Podlasien (Podlasie) — Anzünden von Lagerfeuern auf Friedhöfen als „Licht für die Seelen"
  • Schlesien (Śląsk) — „Andrzejki" (Andreasnacht, 30. XI) als Fortsetzung der Allerseelenzeit
  • Podhale — Goralen-Gebete für die Verstorbenen „auf den Berggipfeln" (na wierchach)

Moderne Formen des Gedenkens — virtuelle Grablichter und digitale Gedenkseiten

Neben den traditionellen Grablichtern auf dem Friedhof nutzen immer mehr Polinnen und Polen digitale Formen des Gedenkens: virtuelle Grablichter, Online-Erinnerungsseiten und digitale Gedenkseiten mit QR-Codes auf Grabsteinen. Diese modernen Formen ermöglichen es, an Verstorbene zu erinnern, unabhängig von der Entfernung zum Friedhof — was besonders für die Millionen Polinnen und Polen wichtig ist, die im Ausland leben.

Warum das digitale Gedenken an Bedeutung gewinnt

Laut dem polnischen Statistikamt (GUS) leben über 2,5 Millionen polnische Staatsbürger dauerhaft im Ausland. Für viele von ihnen ist die Reise zum Heimatfriedhof am 1. November unmöglich oder sehr schwierig. Digitale Gedenkseiten — Erinnerungsseiten, auf denen man Fotos, Erinnerungen und die Lebensgeschichte eines nahestehenden Menschen sammeln kann — werden zu einer Möglichkeit, die Verbindung zu den Vorfahren trotz physischer Distanz aufrechtzuerhalten.

Wussten Sie schon? Moderne Familien verbinden Tradition mit digitalen Gedenkseiten. Auf Kinmory können Sie eine Erinnerungsseite mit Fotogalerie und Erinnerungen erstellen — für die ganze Familie zugänglich, das ganze Jahr über, nicht nur an Allerheiligen.

QR-Codes auf Grabsteinen

Eine der neuesten Formen, Tradition und Technologie zu verbinden, sind QR-Codes, die auf Grabsteinen (nagrobki) angebracht werden. Nach dem Scannen des Codes mit dem Smartphone kann ein Friedhofsbesucher die Gedenkseite des Verstorbenen sehen — mit Fotos, Biografie, Erinnerungen der Familie und Videos. Diese Technologie ist besonders bei der jüngeren Generation beliebt und ermöglicht es, die „Geschichte" der im Grab ruhenden Person auf eine Weise zu erzählen, die auf einem traditionellen Grabstein nicht möglich wäre.

Virtuelle Grablichter und Erinnerungsseiten

Das Internet bietet heute zahlreiche Formen des digitalen Gedenkens:

Digitale Form Beschreibung Für wen
Virtuelles Grablicht Symbolisches „Anzünden" eines Grablichts online Personen im Ausland, die den Friedhof nicht besuchen können
Erinnerungsseite Profil des Verstorbenen mit Fotos und Erinnerungen Gesamte Familie, Freunde
Digitale Gedenkseite mit QR-Code Physischer Code auf dem Grabstein, der auf eine Online-Seite verweist Friedhofsbesucher
Online-Kondolenzbuch Ort für Kondolenzeinträge Bekannte und entferntere Verwandte

Diese Formen ersetzen nicht den traditionellen Friedhofsbesuch — sie ergänzen ihn und ermöglichen es, an Verstorbene jeden Tag zu denken, nicht nur im November.

Tradition und Moderne — kein Widerspruch

Viele Polinnen und Polen verbinden beide Formen des Gedenkens: Sie besuchen den Friedhof am 1. November, zünden ein Grablicht an, legen Chrysanthemen nieder — und betreiben gleichzeitig eine Online-Erinnerungsseite, auf der sie Erinnerungen von Familienmitgliedern aus aller Welt sammeln. Das ist eine natürliche Weiterentwicklung einer Tradition, die seit Jahrtausenden ihre Form verändert, aber ihr unveränderliches Wesen bewahrt — das Gedenken an jene, die von uns gegangen sind.

Häufig gestellte Fragen

Ist der 1. November in Polen ein gesetzlicher Feiertag?

Ja, Allerheiligen (Wszystkich Świętych, 1. November) ist in Polen ein gesetzlicher Feiertag gemäß dem Gesetz vom 18. Januar 1951 über arbeitsfreie Tage. Allerseelen (Zaduszki, 2. November) ist kein Feiertag — es ist ein normaler Arbeitstag, obwohl viele Menschen auch an diesem Tag die Friedhöfe besuchen, insbesondere am Nachmittag und Abend.

Was sind Wypominki und wie bestellt man sie?

Wypominki sind ein katholisches Totengedenken, bei dem der Priester die Namen der Verstorbenen in der Kirche vorliest. Um sie zu bestellen, schreibt man die Vor- und Nachnamen der Verstorbenen auf einen Zettel und gibt ihn im Pfarrbüro (kancelaria parafialna) zusammen mit einer freiwilligen Spende ab. Die Zettel werden in der Regel ab Mitte Oktober angenommen. Es gibt einmalige Wypominki (im November) und jährliche Wypominki (monatliche Verlesung das ganze Jahr über).

Warum bringt man an Allerheiligen Chrysanthemen auf den Friedhof?

Die Chrysantheme blüht im November und symbolisiert seit Jahrhunderten Erinnerung und Respekt für die Verstorbenen. Ihr Name stammt von den griechischen Wörtern chrysos (Gold) und anthemon (Blüte). In der europäischen Kultur, und besonders in Polen, ist die Chrysantheme nahezu ausschließlich als Blume des Totengedenkens bekannt, während sie in asiatischen Ländern Freude und Langlebigkeit symbolisiert.

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?

Allerheiligen (Wszystkich Świętych, 1. November) ist ein Fest zu Ehren aller Heiligen in der katholischen Kirche — ein Tag der Freude und Dankbarkeit für jene, die das Heil erlangt haben. Es ist ein gesetzlicher Feiertag. Allerseelen (Zaduszki, 2. November, Dzień Zaduszny) ist ein Tag des Gebets für die Seelen der Verstorbenen im Fegefeuer — mit besinnlichem und bußfertigem Charakter. In der polnischen Tradition verbinden sich beide Tage zu einer gemeinsamen Zeit des Gedenkens.

Zusammenfassung

  • 1. November — Allerheiligen (Wszystkich Świętych) ist ein kirchliches Fest zu Ehren der Heiligen und ein gesetzlicher Feiertag in Polen
  • 2. November — Allerseelen (Zaduszki / Dzień Zaduszny) ist ein Tag des Gebets für die Seelen der Verstorbenen im Fegefeuer, kein Feiertag
  • Die wichtigsten Bräuche: Grablichter anzünden, Chrysanthemen niederlegen, Gräber reinigen, gemeinsames Gebet auf dem Friedhof
  • Wypominki sind die Verlesung der Namen der Verstorbenen in der Kirche — eine Tradition aus dem Mittelalter, die im Pfarrbüro bestellt wird
  • Die Wurzeln der polnischen Allerseelenbräuche reichen bis zu den slawischen Dziady zurück — vorchristlichen Ritualen des Ahnengedenkens
  • Moderne Gedenkformen: Digitale Gedenkseiten, Online-Erinnerungsseiten und QR-Codes auf Grabsteinen ergänzen den traditionellen Friedhofsbesuch
  • Die Novembertraditionen verbinden gläubige und nicht gläubige Menschen — es ist vor allem eine Zeit des familiären Gedenkens

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